Astrologie Akademie

Nächstes Jahr in Jerusalem.......

 

                                        Gedanken zur Stundenastrologie

                                                                                               

                                                                                                                von Silke Mader

 

"Nächstes Jahr in Jerusalem!", mit diesem Wunsch wird traditionell das Pessach-Fest beendet. Die Stadt Jerusalem stellt in diesem Kontext allerdings weniger ein konkretes Reiseziel dar als das Sinnbild für jenen erlösten seelischen Bewusstseinszustand, den man sich für den Anderen ebenso wie für sich selbst im Laufe des kommenden Jahres wünscht. Die Befreiung des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Sklaverei wird hierbei zum Symbol für die Befreiung aus einem begrenzten, rein körperlich-materialistischen Denken (Ägypten auf Hebräisch: mizrajim – Grenzen, Einschränkungen, Hindernisse) - also zu einem Symbol für die Befreiung von der Fessel an irdische Begierden und materialistische Wünsche. Nächstes Jahr in Jerusalem! Die Seele, die sich einst ihr Glück durch die Klammer des Egos blockierte, möchte im nächsten Jahr in göttlicher Freiheit einen friedvoll-ausgeglichenen Zustand zwischen Geist und Materie erreicht haben.

 

 

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Was hat dieser Wunsch nun mit der Astrologie zu tun? Abgesehen davon, dass so mancher Astrologe nach Jerusalem pilgert (auf der Suche nach ein wenig mehr Seelenheil und wenn die politische Lage des Landes dies gerade erlaubt) -, so befindet sich doch auch in jedem Horoskop ein vergleichbares, symbolisches "Jerusalem", wie man es sich nach dem Pessach-Fest mit Liebe wünscht! Man nennt dieses in der Astrologie allerdings eher christlich "das Jesuskind", welches als Geburtsversprechen im Horoskop erarbeitet werden muss. Dies in Anlehnung an Kapitel 2 des Matthäusevangeliums - der Weihnachtsgeschichte. Denn dort wird bekanntlich von den Weisen aus dem Morgenland  berichtet, denen ein Stern die Ankunft des Jesuskindes kund getan hat. und die von diesem Stern dann nach Bethlehem geführt wurden. Jedes  Geburtshoroskop hat im übertragenden Sinne einen solchen "Stern" in sich - einen entscheidenden Kernaspekt, der aufgetan werden muss, um dem Fragenden sein Geburtsversprechen zu erklären und somit Wege aufzuzeigen, das Leben erfüllter und glücklicher leben zu können.

 

Die Passage aus dem Matthäusevangelium  vergegenwärtigt aber noch etwas anderes und im Kontext der Astrologie bedeutsames: In der Antike kannte kaum jemand seinen Geburtstag -, daher war es damals üblich, Fragen nahezu ausschließlich mit der Stundenastrologie zu bearbeiten: Man fertigte das Horoskop auf den Zeitpunkt der Fragestellung an und konnte von diesem Horoskop aus dann viele Themen bearbeiten: Seien es Fragen nach Verwandten, verschwundenen Personen oder verlorenen Dingen bis hin zum exakten Verbleib eines Schiffes. Aber auch spezielle Fragen hinsichtlich der persönlichen Zukunft bis hin zum Todeszeitpunkt sind in einem Stundenhoroskop enthalten ebenso wie abstraktere Fragen, ob z.B.ein Gerücht wahr sei oder ob es dem König gut gehe oder ob eine wichtige Persönlichkeit auftauchen wird....

 

Tatsächlich sind die meisten der bis zum heutigen Tage noch als aktuell geltenden, astrologischen Erkenntnisse zur Stundenastrologie bereits ein, zwei Jahrhunderte vor der Geburt Christi bekannt gewesen. Der für seine präzisen Beobachtungen geschätzte Hipparchos (u.a. tropischer Tierkreis, Präzession, Sonnenjahr, Jahreszeiten) starb vermutlich bereits ca. 120 v. Chr. auf Rhodos. Seine Schriften gingen uns zwar verloren, sind jedoch in nicht unerheblicher Weise über Claudius Ptolemäus (ca. 100 - 160 n. Chr.) rekonstruierbar, dessen Tetrabiblos bis heute zu den wertvollsten Büchern der Astrologie zählen! Die vier Bände dieser Tetralogie vereinen u.a. das gesamte Rüstzeug der Stundenastrologie in seinen wichtigsten Zügen. Doch auch sein Almagest, ein weiteres wichtiges Werk von Ptolemäus, verblüfft uns heute noch mit präzisen astronomischen Kenntnissen und Aufzeichnungen.

 

Worum geht es denn bei der Stundenastrologie? Wie war es möglich, dass die Weisen aus dem Morgenland durch ein Horoskop herausfinden konnten, dass eine so wichtige Persönlichkeit wie Jesus Christus geboren werden wird - und vor allem, in welcher Region dies geschehen würde?

 

Natürlich ist es mir nicht möglich, hier die komplexen Grundlagen der Stundenastrologie quasi in einem Satz zu resümieren, dennoch möchte ich zunächst ein einfaches Beispiel geben:

Man stelle sich vor, jemand kommt in meine Praxis und will wissen, ob seine Kreditkarte, die er bereits hat sperren lassen, ihm tatsächlich gestohlen wurde oder er diese nur verloren hat. In so einem Fall fertige ich also ein Horoskop auf den Moment der Fragestellung an und ordne dem verlorenen Gegenstand ein Feld zu. Da es um materiellen Besitz geht (das zweite Haus!) suche ich folglich den Herscher des zweiten Hauses. Im Horoskop des Fragenden aus unserem Beispiel stand dieser nun wiederum im zweiten Haus, was im Kontext eines zudem sehr positiv aspektierten Mondes zu jenem Planeten, welcher den Fragenden repräsentierte, eindeutig zu dem Schluss führt, dass die Karte nicht gestohlen worden war. Im Gegenteil! Sie musste sich an einem Ort in seinem Haus befinden, wo er seine Wertgegenstände deponierte. Ferner war anhand des Mondes klar ersichtlich, dass man den Verlust sehr zeitnah würde aufdecken können. Die ganze Geschichte endete dann drollig: Die Karte befand sich nämlich noch im Portemonnaie des Fragenden! Doch nicht dort, wo er sie gesucht hatte - sondern ganz verborgen in der Innenseite, wo er sonst nichts deponierte.

 

In der Antike (also einer Epoche, die weder über Telekommunikation noch Elektrizität verfügte), war es eminent hilfreich, dass Fragen, wie z.B.: " Wo ist mein Frachtschiff gerade unterwegs?" oder: "Wo befindet sich mein Sohn, der auf Wanderschaft ging....?" bis hin zu: "Soll ich diese Person heiraten?" über die Stundenastrologie klar und deutlich bearbeitet werden konnten. So spricht die Bibel auch eigentlich respektvoll von "den Weisen" aus dem Morgenland und nennt uns keine konkrete Zahl. Denn viele wichtige astrologische Wurzeln reichen in der Tat weit in den östlichen Raum nach Indien und Asien. Wer der Schrift kundig und in der Astrologie bewandert war, dem war es damals möglich zu den tiefsten Pforten des Wissens vorzudringen! Doch vor allem kannten in der Antike eben viele Menschen ihren Geburtstag nicht und mittels der Stundenastrologie war es, wie oben bereits erwähnt,  dennoch möglich, sämtliche Fragen nach dem eigenen Leben, der Familie und allen weiteren Gegebenheiten präzise zu beantworten.

 

"Nächstes Jahr in Jerusalem!" Weit scheinen wir von dem eingangs zitierten Gruß nun abgeschweift zu sein! Doch dem ist nicht so. Denn die Astrologie und vor allem das in jedem Horoskop verborgene "Jesuskind" (also der Schlüssel zur Beantwortung einer gestellten Frage oder eben der Schlüssel zur Identität des Fragenden) erleichtern uns es sehr, jenen von den irdischen Fesseln befreiten Bewusstseinszustand zu erreichen, den man sich mit diesem Gruß zu wünschen pflegt. Im ersten Schritt ist dies wahrscheinlich der Einklang von Geist und weltlichen Bedürfnissen... dem man sich nur annähern kann, wenn man um die eigenen Bedürfnisse und Interessen weiß. Vor allem, wenn man gelernt hat, diese im Einklang mit dem Umfeld einzubringen und zu verwirklichen. Oder, wie der berühmte Stundenastrologie William Lilly (1602-1681) in seiner "Introduction to Astrology" den Astrologieschülern rät: As thou daily conversest with the Heavens, thou construct and form thy mind according to the image of Divinity: learn all the ornaments of virtue.....“  

 

 

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