Astrologie Akademie

 Feng Shui in der Stadt der Engel....

                                              zu Besuch in Los Angeles

                                                                                                            von Silke Mader

Mich erstaunt, dass bislang noch wenig über das hervorragende Feng Shui von Los Angeles geschrieben worden ist. Vielleicht weil das Armutsproblem dieser Stadt jeden durch Downtown "Flanierenden" so sehr schockiert, dass alle behaglichen Gedanken zunächst einmal von einem zu weichen scheinen? Hierzu später mehr... Begegnen wir der Stadt im ersten Schritt von außen bzw. "von oben herab" - hat doch der Gestus des "Schreibens über" ohnehin etwas Herablassendes, Zuordnendes, dem sich kein Schreibender entziehen kann. Warum diesen also nicht als Einstieg nutzen?

Um zu verstehen, inwiefern Los Angeles aus der Perspektive des Feng Shui eine ideale Lage aufweist, muss man zunächst Folgendes wissen: Der ideale Ort im Landschaftsfengshui, um ein Gebiet fürs "Ansässigwerden" festzulegen, ergibt sich aus drei verschiedenen Hügeln (Erhebungen), welche den jeweiligen Raum schützen sollten: Der Hügel der schwarzen Schildkröte, der sich im nördlichen Hintergrund des Gebietes idealerweise stark und gebieterisch auftut. Ferner der Drachenhügel zur rechten Seite (östlich), welcher im Idealfall ein wenig höher ist als der sanfte Hügel des Tigers, der das Gebiet von westlicher Seite einzurahmen hat. Vor dem ausgewählten Gebiet sollte Wasser fließen und der gesamte Bereich offen, frei und - abgesehen von einem kleinen Phönixhügel - leicht zugänglich sein. Bezüglich des Wassers handelt es sich zumeist um einen sanft mäandernden Flusslauf - doch bei einem großen Stadtgebiet erweist sich auch das Meer selbst als kein zu großes Gewässer. Es gewährleistet, ideal "platziert", der Stadt immerwährenden Reichtum, auch wenn es natürlich nicht die ideale Verteilung des Gewinns garantieren kann!

Los Angeles erweist sich geradezu ideal in eine solche Landschaftsstruktur eingebettet: Hinter der Stadt, wie auf dem Foto unten und der Illustration schön zu sehen ist, die San Gabriel Mountains:

  © Wikipedia

Westlich befinden sich die sanften Santa Monica Mountains, mit dem sehr reichen Malibu, und östlich die Santa Ana Mountains. Insbesondere Santa Catalina Island vor der Stadt hingegen ist der ideale Phönixhügel innerhalb der weiten Fläche des Meeres und der Stadt selbst. Dem Glauben der alten Chinesen zufolge gewährleistet ein solcher Hügel gute Gelegenheiten, die den immerwährenden Erfolg absichern.

 © Wikipedia

Und reich ist diese Stadt nun auch wirklich: Weit über 250000 Millionäre sollen dort ansässig sein! Wer die auffällig vielen, neuwertigen BMW-Sportwagen (vorzugsweise in weiß) auf den Freeways  von Los Angeles beobachtet (Mercedes scheint aktuell nicht ganz so "in" zu sein), der tendiert bereits dazu, dieser Statistik glauben zu schenken. Zudem weiß natürlich weltweit jeder von den wunderschön gepflegten Stadtteilen bestückt mit hochwertigen Villen wie Malibu und Beverly Hills bis hin zu Santa Monica. Wobei letzterer Bezirk zwar einen wunderschönen Strand aufweist, doch vielen bürgerlichen Gegenden weltweit meines Erachtens kaum Stand halten könnte. 

Womit wir allmählich zu dem eigentlichen Anliegen meines Textes kommen: Denn anders als Hongkong oder vor allem Singapur, deren Regierende sehr bewusst versucht haben, das gute Feng Shui ihrer Städte zu schützen und zu verbessern, scheint Los Angeles den etwas gefährlichen Weg gewählt zu haben, dass nur jene Bewohner auf gutes Feng Shui achten, welche die Bildung haben, davon zu wissen... Das Ergebnis dieser falschen Politik erlebte ich bereits vor meiner Anreise, denn man warnte mich: "Sei bloß nicht enttäuscht, diese Stadt ist total versmogt und vergammelt!" So und ähnlich versuchte man mich darauf vorzubereiten, dass ich vor allem in Downtown nicht wirklich viel Schönes zu sehen bekommen würde. Da ich Anfang Mai anreiste, kam es allerdings ein wenig anders. Es gab keinen Smog, und aufgrund der glücklichen Residenz in dem ehrwürdigen Biltmore Millenium Hotel (das ich wirklich nur jedem empfehlen kann) war mein erster Eindruck der Bestmögliche: Denn vom Hotel aus kann man in kürzester Zeit zur interessant gestalteten Disney Concert Hall spazieren, einem Wahrzeichen der Stadt, und geht man dann noch ein paar Schritte weiter, so erlebt man noch einmal bestmögliches Feng Shui:

Weit reicht der Blick bis hin zur City Hall (Rathaus) über eine wunderschön, großzügig strukturierte Parksteinlandschaft, deren Zentrum ein Amphitheater darstellt und die nur aus Sitzgelegenheiten und Wasserspielen zu bestehen scheint. Umrandet wird das Ganze vom weltberühmten Dorothy Chandler Pavillion und dem Museum für moderne Kunst. Auch in dem angrenzenden „Department of Water & Power“ umfließt Wasser in großzügigster Weise die hohen Gebäude, so dass eben jenes Gefühl von Reichtum und Verspieltheit (Kreativität) dem Besucher vermittelt wird, das man vielleicht zuerst mit dem Namen Los Angeles assoziieren würde... So mancher Tourist hat in den Fontänen bestimmt schon im Vorbeigehen die Silhouette des einen oder anderen Engels gesehen oder gespürt! 

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                                        © virtualtourist.com  

 

Doch man befindet sich leider nahezu an dem einzigen Ort in Downtown, wo sich diese Mühe gegeben wurde – was genau deshalb so schade ist, weil die Stadt mit diesem perfekten „Kern“ und ihrer genialen Lage nur noch relativ wenig Aufwand benötigen würde, um sich zu einer glücklichen (und auch sauberen) Stadt zu entwickeln. Noch gestalten sich die Dinge jedoch anders, und bereits auf dem Weg von diesem virtuellen Ursprung der Stadt hin zu "El Pueblo de Los Angeles", der so genannten echten Geburtsstätte von Los Angeles (mit dem noch ältesten erhaltenen Haus aus ungebrannten Lehmziegeln: "Avila Adobe" von 1818), bleibt einem der schockierende Anblick der Armut nicht erspart.  Denn unmittelbar vor dem Platz, wo sich die Avila Adobe befindet, und nahe dem Santa Ana Freeway haben sich rechts und links am Rande der Straße in erschreckend ordentlicher Weise Obdachlose ein bescheidenes Quartier gesichert. Den obligatorischen Einkaufswagen, den jeder Obdachlose in Los Angeles mit sich zieht (voll bepackt mit Tüten, in denen die letzten Habseligkeiten verstaut sind), als Kennzeichen  wie ein Haus hinter sich platziert, sitzen sie hier in Reih und Glied nebeneinander in einer langen Reihe auf der Erde und warten…. Es ist die „Revierordnung“, die man sich selber gegeben hat, die erschreckt. Denn wäre es so schwer, diesen Impuls der verarmten Menschen aufzugreifen und genau an dieser Stelle ein Obdachlosenasyl einzurichten, das so hoch ist, wie die anderen Gebäude auch und somit vielen, vielen Menschen als Anlaufstelle dienen könnte? Auch für die Sicherheit sämtlicher Bürger von Los Angeles wäre dies sicherlich ein Gewinn. Denn schon beim Überqueren der Straße wird man recht aggressiv angebettelt.

Im Verlauf meines weiteren Besuchs lernte ich dann, dass es ziemlich gleichgültig ist, in welchem der "normalen" Bezirke von Los Angeles man sich aufhält. Nahezu überall begegnen einem Obdachlose, deren Anblick entweder erschütternd ist oder die so aggressiv auf einen zugehen, dass man sich fürchtet. Mir scheint das Obdachlosenproblem (und an das Armutsproblem gekoppelt auch jenes der Kriminalität) daher ein ganz anderer Grund zu sein, weshalb man in Los Angeles so gerne mit dem Auto fährt! Außerhalb der wenigen reichen und streng beäugten Wohnbezirke sitzen und liegen nahezu an jeder Ecke eines größeren Hauses oder öffentlichen Gebäudes Menschen, denen niemand mehr zu helfen scheint. Stets steht dabei schützend neben ihnen der obligatorische Einkaufswagen vollgepackt mit den letzten Habseligkeiten… Man könnte einen philosophischen Essay über dieses Paradoxon jener Einkaufswagen schreiben, die, als „Hausersatz“ genutzt, zum diabolischen Sinnbild unserer Konsumgesellschaft werden. Einer Konsumgesellschaft, die in Los Angeles jene, die keine Kaufkraft mehr haben, einfach im volumnösen Einkaufswagen begräbt…….

Doch mit diesen unschönen Bildern möchte ich nicht schließen. Denn das wäre der Stadt der Engel unwürdig - sowohl mit Blick auf die Geschichte dieser Stadt als auch aufgrund ihrer landschaftlich wundervollen Lage und der gelassenen Freundlichkeit vieler ihrer Bewohner! So erstaunte mich z.B. die Geduld und fürsorgliche Freundlichkeit vieler  Busfahrer, denen im Laufe eines Arbeitstages in der großen Stadt sicherlich einiges zugemutet wird! Als Berlinerin glaubte ich mich sogar in einen netten Traum versetzt, als ich zu Beginn meiner Reise den Fahrpreis von 1 Dollar 50 nicht passend hatte und fragte, ob ich denn auch mit Geldscheinen bezahlen könnte. Der freundliche Busfahrer hatte  trotz des Stresses der turbulenten Straße, der Hitze und der vielen Menschen in dem Bus noch ein Lachen für mich: "Das nächste Mal werden Sie es passend haben.. !" So setzte ich mich also beseelt auf meinen Platz und fuhr für einen Dollar quer durch die Stadt bis zum Meer.......

 Wer dann auch nur an dem breiten, sauberen Sandstrand von Venice Beach angelangt ist, wo sich zumindest im Mai so wenige Menschen aufhalten, wie das zu keiner Zeit an den vergleichbaren Stränden Europas möglich wäre - der versteht, warum sich die Stadt um die vielen ärmlichen Stadtteile nicht allzu viele Sorgen macht! Denn die Touristen und Besucher werden hier immer glücklich sein und - wenn sie das möchten - es stets einfach haben, der Armut von Los Angeles aus dem Weg zu gehen. Im Takt der Musik, die aus einem der vielen kleinen Geschäfte der Promenade von Venice Beach dringt, vermischen sie sich dann sowieso: die Touristen, die Lebenskünstler und Obdachlosen, die in Strandnähe bessere (Über-) Lebensmöglichkeiten vorfinden.... und wenigstens hier geht sich keiner aus dem Weg! 

 

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